Mittwoch, 25. Oktober 2017
4383 Tage
.... sind so ohne Worte - Leere
So voller Gedanken - Chaos
die man nicht in Worte fassen kann.
... sind voll von Tätigkeit - Hast
die verdecken soll - Unruhe
... sind gefüllt mit Dingen - Enge
die nicht berühren - Unwirklich
Mit zuhören
ohne wirklich zu hören.
Mit sehen
ohne wirklich zu erfassen.
Manche Tage ...
bin ich immer noch verloren.
Während meine Seele
die Erinnerungen an dich druchwühlt
Manche Tage bist nur du.
Sonntag, 25. Oktober 2015
10 Jahre ohne dich
Oft wird es mir dabei ganz schwer ums Herz, gerade jetzt im Herbst wenn das Leben so schön bunt ist ...
Trotzdem werde ich gerade heute ein paar Zeilen schreiben, auch wenn es mir nicht leicht fällt, mich noch öffentlich zu öffnen. Inzwischen habe ich verstanden, daß ich es keinem erklären kann, was ich erlebt habe und wie ich heute lebe, der es nicht selbst erlebt hat.
Ich habe mich auch dran gewöhnt, in erschreckte Gesichter zu sehen wenn ich von dir berichte ... ich habe erleben müssen was niemand erleben mag. Mit mir und meiner Geschichte ist der Schrecken einfach zu nah, zu real und auch mir selbst wird dann wieder bewußt das ich es irgendwie "überlebt" habe.
Die dritte Kammer
In meiner Traurigkeit hat es ein wenig gedauert, bis ich sie entdecken durfte, eine dritte Kammer zwischen den beiden Herzkammern. In dieser kleinen Kammer im feinen Riss meines Herzens befindet sich nur so viel: ein behutsam kehrender Besen namens Hoffnung und ein weiches Staubtuch aus Vertrauen und Intuition.
Heute öffne ich diese kleine Kammer regelmäßig, um den Staub in meinem Herzen zu putzen und wieder eine klare Sicht (der Dinge) zu bekommen.
ღ Petra Franziska Killinger
Sind es wirklich schon 10 Jahre her, seit Du uns verlassen hast und uns trotzdem noch durch unser Leben begleitest ?
Ich lebe seit 10 Jahren in einer anderen Beziehung zu Dir und freue mich an manchen Tagen über eine unglaubliche Nähe zu Dir. Es sind Gefühle und Momente, die ich gar nicht mehr versuche, anderen zu erklären und trotzdem reicht diese Nähe niemals aus. Auf Fotos von dir steht die Vergangenheit ewig still, du wirst nie älter als 13 Jahre, wie gerne würde ich auch sehen, wie Du Deinen Weg gehst. Ein lebenslustiger junger Mann, der bis 25 zu Hause wohnen bleiben wollte, um sich dann ein Haus und einen Hund zu kaufen.
Erinnerung,
schöne Erinnerung an vergangene Zeiten.
Erinnerung an eine schöne Zeit,
eine schöne Zeit mit dir.
Erinnerungen zum Lachen, zum Träumen, zum Weinen.
Erinnerung an eine vergangene Wirklichkeit,
eine normale Wirklichkeit mit dir.
Erinnerungen, um dem Alltag zu entfliehen,
dem Alltag der wirklichen Wirklichkeit.
Für mich ist die Erinnerung schöner als die Wirklichkeit,
denn in der Wirklichkeit fehlst du!
Die Erinnerung holt dich zu mir, zu mir ins Jetzt.
Dadurch kann ich dir ganz nah sein,
auch wenn du in Wirklichkeit nicht mehr da bist.
Ich kann dich spüren.
Ich erinnere mich an die vielen Stunden,
die wir gemeinsam verbracht haben.
Ich rede in Gedanken mit dir und erzähle dir
von meinem Leben im Hier und Jetzt.
Ich hole das was war hierher.
Somit ist Erinnerung nicht Vergangenheit,
sondern Gegenwart.
ღ Kerstin Gleißberg
Es gibt Zeiten, da fühle ich mich wieder lebendig und mag das Leben, aber es gibt eben auch die anderen Tage, wo jeder einzelne Tag ein Überlebenskampf ist. Inzwischen weiß ich aber, daß diese dunklen Zeiten auch wieder vorübergeben, aber sie kosten immer noch unendlich viel Kraft und Energie.
Und oft bist du immer noch der Wind in meinen Flügeln.
In liebe Mama
Dienstag, 21. Oktober 2014
9 - 3287 - 78888
Am Anfang dieser langen Reise stand ich unter Schock, unendliche schmerzlich mußte ich begreifen:
"Simon kommt nie wieder."
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| Dein Rucksack im Strassengraben und dein Blut auf der Strasse |
Im Laufe der Jahre habe ich gelernt mit dem Leben "ohne", aber auch immer "mit" Simon zu leben.
Ich habe gelernt die Todestage zu ertragen, die Geburtstage zu leben, Weihnachten ohne das geliebte Kind zu überstehen.
Und auch wenn ich schon eine lange Trauerreise zurückgelegt habe, so wird diese Reise doch niemals enden. Sie ist ein Teil meines Lebens geworden und verbindet mich mit der Liebe auf ewig mit Simon.
"Manchmal bist du in unseren Träumen,
oft in unseren Gedanken und
immer in unseren Herzen."
Aus dem Schmerz der ersten Zeit ist im 9-ten Jahr der Trauer eine leise, stille Wehmut, geworden.
Wie ein leises Rufen von ganz tief Innen, wo ich den Schmerz verschlossen halte. Immer wieder gibt es Tage, wo ich in tiefes Grübeln verfalle, mich ganz zurückziehe von allem und an denen ich zu nichts fähig bin.
Oft zieht es mich dann in die Stille der Natur und dort versuche ich meine Gedanken zu ordnen.
Die Jahre sind so schnell vergangen und trotz allem habe ich noch immer das Gefühl, als wäre es gerade erst passiert. In ein paar Jahren schon bist Du länger fort, als Du bei uns gelebt hast.
Diese Vorstellung ist für mich ganz schlimm.
Mir fehlen einfach die Worte ... ausser das ich dich unendlich vermisse und es immer noch schmerzt dich nicht aufwachsen zu sehen, zu erleben.
Die weichen Schatten,
welche die tief stehende Herbstsonne zaubert,
dieses geheimnisvolle Spiel von Sonne und Licht,
erinnern mich daran, dass deine Schönheit dazu
bestimmt war, meine Welt
in ein noch schöneres Licht zu tauchen.
Noch immer verzauberst du meine Welt
– trage ich deinen Glanz in meinem Herzen.
Du, mein Geheimnis aus Licht und Liebe!
Petra Franziska Killinger
Montag, 28. Oktober 2013
Tröstenden Worte
Ich danke diesem Menschen sehr ... es hat so sehr getröstet und mir viel bedeutet noch einmal zu sehen/spüren das unser Sonnenschein Simon nicht vergessen ist.
Danke !
Dienstag, 22. Oktober 2013
8 - 2922 - 70128
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| Simon im Alter von 10 Jahren |
Die zurückliegenden 7 Jahre habe ich versucht meine Gedanken aufzuschreiben, in Wort zu fassen was mich bewegt, bedrückt, verwundert und verwundet. Doch in diesem Jahr und wohl auch schon Ende letztes Jahr ist so sehr viel passiert, hat sich so vieles geändert… manches schön, manches schwierig …
Eigentlich spreche ich nur noch selten offen über dich und doch bist du jeden Tag in meinen Gedanken. Ich versuche gar nicht mehr, Dich in Gesprächen zu erwähnen, über meine Gefühle zu sprechen. Niemand mag es hören oder lesen, sie sind beschäftigt mit ihren eigenen Problemen und ich nehme es ihnen nicht übel. Doch alles was ich nicht erzähle, nicht aus meinem Innersten hinauslasse … bleibt liegen und wird immer schwerer … es drückt erst ganz leicht und dann immer fester. Trotzdem - niemandem möchte ich diesen, meinen Schmerz aufzwingen, ihn damit unerwartet konfrontieren.
Und doch es ist mir ein Bedürfnis (und mir tut es gut) zumindest hier, auf deiner Erinnerungsseite, ein paar Sätze über Dich, über mich zu schreiben, weil ich weiß, dass es vielleicht doch noch einige gibt, die hier lesen und sich vielleicht in manchem wiederfinden werden.
Die Trauer ist auch im achten Jahr jeden Tag da und ich meine wirklich jeden Tag. An keinem einzigen Tag habe ich nicht an dich gedacht, wurde es mir nicht schwer um Herz, schluckte ich nicht meine aufsteigenden Tränen hinunter. Es ist eine sehr stille, schmerzliche Sehnsucht, die mich immer begleitet und doch gibt es immer noch Tage, wo gar nichts geht und ich mich ganz zurückziehe von allem. Und man lässt mich auch … niemand der anruft oder nachfragt „Wie geht es dir“.
Der Alltag hat mich schon sehr lange wieder eingeholt und lässt mir oft nur wenig Zeit zum Grübeln. Du bist zwar physisch nicht mehr bei uns, aber weiß und glaube fest daran, dass du mich durch das Leben begleitest.
Du hast einen festen Platz in meinem Herzen, in meiner Seele und in meinem Leben. Du hast mich gelehrt, im „Hier und Jetzt“ zu leben, nie im Streit auseinander zu gehen, dass ich immer wieder nach vorne schauen muss.
Ⓒ Hans Kruppa
Wie auch Perlen nicht in wenigen Tagen wachsen, und der Schmerz nicht im nächsten Augenblick überwunden ist, braucht alles seine Zeit. Schicht um Schicht umhüllt die Muschel das Sandkorn mit Perlmutt. Unendlich langsam wächst die Perle in ihr. Noch lange spürt die Perle das Sandkorn in sich.
Perlen sind verwandelter Schmerz. Ich glaube, bis wir unseren Schmerz in eine Perle verwandeln können, ist es noch ein weiter Weg.
Alles geschieht zu seiner Zeit - wenn der richtige Zeitpunkt da ist. Ich versuche darauf zu vertrauen, dass es genauso ist.
Vieles macht erst im Nachhinein betrachtet Sinn, aber mit der Zeit lerne ich, es eher zu verstehen und gehen meinen Weg gestärkt weiter…
Seit ein paar Monaten wohnt nun auch Deine kleine Schwester nicht mehr in Jülich, dem Ort den du noch kanntest. In meinem Leben ist es nun noch ein wenig stiller und es scheint, dass eine neue Lebensphase begonnen hat, mit der ich erst mal lernen muss umzugehen. Sicherlich würdest auch Du schon nicht mehr zu hause wohnen, je nachdem für was für einen Weg Du Dich nach der Schule entschieden hättest und doch wäre dann alles ganz anders.
Wir wären noch komplett, wären bei Familienfeiern zusammen, an Weihnachten und vor allen Dingen an euren Geburtstagen. Wie oft habe ich in diesem Jahr daran denken müssen. Dein Tod hat mein Zeitgefühl verändert.
Ich hoffe so sehr, dass mich auch in den kommenden Jahren ohne Dich die Zuversicht und die Hoffnung nicht verlassen wird, ich immer wieder die kleine Lichtpunkte am Ende des dunklen Tunnels sehen und mich an vielen Kleinigkeiten freuen kann.
Gerne hätte ich noch ein Bild von Dir beigefügt. Doch ich kann keins mehr von Dir zeichnen … Zu gerne würde ich sehen, wie Du heute aussiehst.
Ein hübscher junger Mann. Doch mir fehlt Dein Bild. Wie würdest Du aussehen?
Mit diesem Gedanken schließe ich nun ab und besuche dich heute Abend an deinem kleinen Garten.
Du fehlst - in Liebe deine Mama
Donnerstag, 28. Februar 2013
Eine Kerze anzünden
http://www.gedenkseiten.de/simon-staemmler/
| Aber die Zeit war kurz und der Augenblick kam, da die Verschmelzung stattfinden würde. Die sehr, sehr alte Seele erhielt den Ruf, das sie sich unverzüglich zur Zeremonie einfinden solle und musste gehorchen. |
Freitag, 26. Oktober 2012
Sieben Jahre - ohne dich
Noch stehen die Blumen von meinem Geburtstag, in voller Blüte im Zimmer und doch hält (keine drei Tage später) die Trauer und der Schmerz zum siebten Mal Einzug.
Die meiste Zeit im Jahr sind es sehnsüchtige Gedanken an dich, das vermissen deines Lachens, deiner unbändigen Energie, dem Klang deiner Stimme, deine Scherze und Verrücktheiten ... dein Geruch.
Nur manche Tage sind einfach immer noch unerträglich und werden es wohl auch bleiben.
So wie dein siebter Todestag oder auch Sternengeburtstag.
Ein grauer Nebelverhangener Tag, Nieselnebel und einzelne Regentropfen die wie Tränen auf das Gesicht fallen ... es drückt so schwer auf die Seele es tut weh. Noch einmal gleitet der 25-te-2005 in Bilden an mir vorüber ... dein tragischer Unfall, Schock, Schmerz.
Der Alltag hat uns schon solange wieder eingeholt, keine Zeit zum Nachdenken ... das HIER und JETZT fordert. Ich glaube einfach fest daran das du mich hin und wieder "besuchst" nach schaust was ich mache, das du leise unsere Leben begleitest ... und mich vielleicht manchmal im richtigen Moment einen Menschen schickst, ein Licht auf meinem Weg.
wenn es dunkel um uns wird
und das sterbende Licht
sich in nichts
als Sehnsucht auflöst?
Was bleibt
wenn eine lichtlose Jahreszeit
grau in grau gefärbte
Trauermäntel webt?
Was bleibt
wenn uns nichts bleibt
als die lebendige Erinnerung
an ein vorausgegangenes Kind?
Ein unsterbliches Gefühl
das Liebe heißt.
Und sich im Traum
wiederfindender Welten wiegt.
(c) Ute Leser
Mittwoch, 17. Oktober 2012
Deine Spuren - mein Weg
Wenn ich versuche über meine Gefühle schreiben, wiederhole ich mich dann nicht? Ich zweifle daran, ob ich über meine Gedanken und Gefühle noch noch hier auf deinen Blog schreiben möchte. Verstehen mich die Menschen, lesen und vorallem begreifen sie was ich sagen möchte, was mir fehlt?
Am Anfang schaufelte ich mit jedem Eintrag eine kleine Last von meiner Seele, aber heute, hier und jetzt suche ich nach den richtigen Worten, die ich nicht finden kann oder nicht das wirklich das ausdrücken können was ich sagen möchte. Ich möchte es einfach nicht mehr "öffentlich" sagen/schreiben ... denn verändert hat sich nichts. Nach wie vor stehe ich allein mit meiner Trauer um dich, deine Fotos anzuschauen zerreißt mir das Herz.
Dankbar bin ich allen Menschen, denen ich auch jetzt noch von Dir erzählen darf/kann. Das ich mal wieder von dir geträumt habe und mit nassen Augen aufgewacht bin. Meine heimlichen Tränen die niemand sieht.
Du fehlst noch immer mit der gleichen Intensität, wie all die Jahre vorher. Verstehen kann dies aber wohl nur, wer weiß, was es heißt, ein Kind zu verlieren. Aber all diese Gefühle sind meist tief in mir verschlossen, wer will es denn noch hören/zuhören ?
Meine "Schonzeit" ist schon lange vorüber, für die Menschen bin ich wieder "normal" und funktioniere. Sie vergessen das für mich die Türe in diese "normale" Welt ein für alle mal mit deinem Tod zugefallen ist.
Sicherlich ist dein Schicksal nicht mehr jeden Tag Thema ... aber gerade jetzt, in dieser Jahreszeit wäre oft hilfreich, tröstend und einfacher, wenn man für mich noch ein offenes Ohr hätte. Aber nichts, niemand ... ich bin allein mit meiner Trauer, den Bilden und den Gefühlen.
Auch in diesem Jahr gab es immer noch Tage, wo die Trauer mich gelähmt hat. Dann es absolut keinen Sinn, mich mit irgendetwas abzulenken, sondern ich muss versuchen es in diesem Augenblick anzunehmen. Denn es kostet einfach zuviel Kraft -- ja immer noch, auch nach sieben langen Jahren -- dagegegen anzukämpfen. Obwohl ich es tue, denn ich mag nicht weinend an meinem Arbeitsplatz sitzen, oder mit rot verweinten Augen durch die Gegend rennen. Angestarrt ... "was ist denn mit der los". Deshalb "schlucke" ich es runter, immer und immer wieder.
Der große Felsbrocken "Trauer", oft habe ich das Gefühl ich bearbeite ihn mit einem Minimeissel oder aber gar nicht, dann drückt er eben einfach. An den meisten Tagen aber begleitet mich die Trauer wie ein Schatten, manchmal hüllt sie mich ein. Dann fühle ich mich entsetzlich alt und einfach alles tut weh, und ich merke wie mein Körper einfach streikt. Ob ich jemals wieder die Energie von früher bekomme, glaube ich inzwischen nicht mehr.
Ein anderes mal ist der Schatten so klein ... das ich die Sonne sehen und fühlen kann.
Schmerz, du ungebetener Gast,
wie oft holst du mich aus tiefstem Schlaf,
um mir zu zeigen,
daß du wieder da bist.
Am Tage verfolgst du mich auf Schritt und Tritt,
machst so manche Vorhaben zunichte.
Rücksichtslos zeigst du mir stetig meine Grenzen.
Manchmal betäube ich dich,
was du mir später doppelt heimzahlst.
Wenn ich stumm werde,
weil du jede Freude,
jedes Lächeln in mir erstickst,
wenn ich mich schließlich in mich verkrieche,
können nur noch meine stillen Tränen ausdrücken,
was ich fühle.
(Verfasser unbekannt)
Ich vermisse dich unendlich mein Sonnenschein, es tut weh ...
Deine Mami
Ein Licht für Jessica Anders
Samstag, 25. Oktober 2008
25.10.2008 - 3 Jahre
3 Jahre – 1069 TageIn diesem Jahr habe ich mich oft gefragt, was mich diese lange Zeit hat überleben lassen. Vor Deinem Tod habe ich immer gedacht, dass ich den Tod eines meiner Kinder nicht überleben werde, aber es gibt mich noch. Wie viel ein Mensch ertragen kann, haben mir diese 3 Jahre gezeigt. Geschafft habe ich diese Zeit nur mit der Liebe, die ich tief in mir habe für Dich, meine kleine Familie und die Menschen, die noch an meiner Seite sind.
Menschen, die immer für mich, für uns da waren, die mir Liebe, Wärme, Geborgenheit, Zuspruch und Hoffnung gegeben haben, wenn ich mal wieder nicht weiterwusste.
Menschen, die mich ausgehalten haben, egal wie schwierig ich auch geworden bin.
Menschen die einem keinen ungerechten Vorwurf aus Kleinigkeiten stricken, wie ein angeblich vergessener Anruf oder ein ungepflegtes Strassenkreuz.
Das Verschweigen von Simon, meiner Trauer und meinem jetzigen Leben macht die Beziehungen zu anderen sehr schwer. Versteht doch … mein totes Kind gehört immer noch mir und es kostet mich wahnsinnige Kraft dieses Leben nun so zu leben. Wird dieser Teil meiner Person ignoriert, so bleibt eben ein Loch, dass die ganze Beziehung löchrig macht. Wie würden diese Menschen sich fühlen, wenn ich mir ihre freudigen Ereignisse nicht anhören wollte, schnell das Thema wechseln würde oder alles totschweige?
Und an manchen Tagen war es eine kleine Mail oder nur eine liebe SMS, die mir geholfen haben, den Tag zu überstehen.
Ein Elefant ist im Raum.
Breit sitzt er da und es ist schwierig, um ihn herumzukommen.
Und doch quetschen wir uns vorbei, sagen „Wie geht`s ?“
Und „Mir geht`s gut“.
Und viele andere Floskeln und Geschwätz.
Wir reden über das Wetter. Wir reden über die Arbeit.
Außer – über den Elefanten im Raum.
Ein Elefant ist im Raum.
Wir alle wissen, dass er da ist.
Wir denken an den Elefanten, während wir miteinander reden.
Wir denken ständig an ihn.
Er ist nämlich ziemlich groß.
Er tut uns allen weh.
Aber wir sprechen nicht über den Elefanten im Raum.
Bitte, sagt seinen Namen.
Bitte, sagt noch einmal „S I M O N“.
Bitte, lasst uns über seinen Tod reden,
dann können wir vielleicht auch über sein Leben reden.
Kann ich den Namen „Simon“ in eurer Gegenwart sagen, ohne wegschauen zu müssen?
Denn wenn ich das nicht kann, dann lasst ihr mich
Allein ...
In einem Raum ...
mit einem Elefanten.
Noch immer bin ich auf der Suche nach einem lebbaren Leben und auch das wird wohl den Rest unseres Lebens so bleiben. Manchmal hat man gute Zeiten, Zeiten zum Durchatmen und Krafttanken. Dann liegt wieder ein schier unüberwindbarer Felsbrocken auf dem Weg und von denen gab es im Jahr 3 jede Menge.
So leicht wäre es einfach aufzugeben, weil man keine Kraft mehr hat, als sich immer wieder aufs neue aufzumachen, einen anderen Weg zu (ver)suchen.
Das Heute
stellt nicht die Frage,
gehst Du falsch
oder richtig?
Das Heute
stellt die Frage,
gehst Du?
Denn ...
Das Morgen kann nur blühen,
wenn es im Gestern wurzelt
und im HEUTE wächst.
Nichts ist schlimmer, als auf der Stelle zu verharren. Dort ändert sich nichts. Es ist auch egal, ob man auch mal in einer Sackgasse landet, den falschen Weg gewählt hat, so wie mir passiert ist. Wichtig allein ist, niemals aufzugeben und das allein habe ich durch Simon gelernt.
Habe ich wirklich mal ein Leben voller Leichtigkeit und Glück geführt? Es scheint, als wäre dieses schon Jahrzehnte her und doch sind es erst 3 Jahre. Ein Blitz ist durch die Zeit gefahren und hat sie durchtrennt. Die Zeit mit Simon und die Zeit ohne ihn.
Ich fühle mich so viel älter, als ich es bin.
Nach dem Tod von Simon blieb eine Ruine und aus dieser versuche ich etwas Neues zu bauen. Ich sammle Bausteine … es ist wichtig, Bausteine zu sammeln, sie zu drehen und zu wenden. Viele Bausteine werden benötigt und ebenso viele Zulieferer, doch die sind selten geworden.
Viele Menschen in meinem Umfeld wissen nicht, dass sie Zulieferer sein könnten. Auch kleine Bausteine sind wichtig für einen Neuaufbau. Manchmal müssen auch erneut Risse hingenommen werden, weil in unserem Umfeld davon ausgegangen wird, dass Tod und Trauer um unser totes Kind endgültig abgeschlossen zu sein hat.
Mein Schmerz ist sanfter geworden oder habe ich mich inzwischen so sehr an diesen Dauerschmerz gewöhnt, dass ich es gar nicht mehr anders kenne?
Auch heute gibt es Momente, an denen alles so unwirklich ist und ich mir klar machen muss, dass Du wirklich nie wieder kommst. Ich versuche immer wieder, mich gegen dunkle Hoffnungslosigkeit zu wehren.
Du hast so eine große Leere hinterlassen und ich leide an der Zerrissenheit meines Lebens, alle Tränen sind Tränen der Liebe, der Sehnsucht, aber auch der Hoffnung, in dem Glauben an die Unzerstörbarkeit des Lebens.
Im Kreise von betroffenen Eltern fällt es mir wieder leicht, ausgelassen, albern und fröhlich zu sein. Hier denkt niemand: „Schau, sie lacht ja wieder, dann geht es ihr ja endlich wieder gut“. Hier schaut auch niemand komisch, wenn im nächsten Moment die Tränen laufen. Jede Freude hat auch eine andere Seite, es wird nie wieder das gleiche Glück von früher sein.
Nichts ist mehr selbstverständlich, auch nicht, dass einige wunderbare Menschen mich auf meinem Weg begleiten.
Du bist immer noch ein Teil unserer Familie, bei allem dabei, wenn auch für uns nicht mehr sichtbar. Aber es bringt mich manchmal um den Verstand, Dich nicht mehr zu spüren. Ich vermisse Dein Lachen, Deine Zärtlichkeit, Deine strahlenden Augen und Deine ansteckende Lebenslust.
Die Liebe hat sich gewandelt,
sie ist nun unendlich zart
und doch stark,
still,
dennoch voller Lebendigkeit,
fern
aber in jedem Augenblick gegenwärtig
sie ist geheimnisvoll
und doch ganz klar
rein und frei von allen Dingen dieser Welt.
Nun ist sie daheim
In der Geborgenheit des Herzens,
im Schutze der Erinnerungen,
unantastbar,
unbesiegbar,
unverlierbar
(Petra Fuchs)
Du fehlst uns allen unendlich. Wie gerne würden wir ein Leben mit Dir an unserer Seite leben, unsere gemeinsamen Träume verwirklichen.
Ich bin jetzt gern allein. Ich brauche diese einsamen stillen Stunden, um Dir ganz nahe zu sein, um meine Gedanken zu ordnen, um meinen Tränen freien Lauf zu lassen und um zur Ruhe zu kommen. So schaffe ich es meistens, dass in mir langsam eine ganz tiefe Dankbarkeit wächst, dass ich 13 Jahre mit Dir haben durfte. Und ich verspreche Dir Simon, dass ich auch im Jahr 4 weiterkämpfe, nicht aufgebe!
Ich liebe Dich - ohne Anfang und ohne Ende.
Ich trage Dich in mir, bis wir uns wieder treffen.
In Liebe Deine Mama, denn du bist der Wind in meinen Flügeln
(c) 2008 Claudia Staemmler, in Anlehnung an Marion Mama von Jessica



