Freitag, 14. September 2007

Am Ende des Regenbogen


Ganz weit draußen am Ende des Regenbogens
werde ich auf dich warten,
und wenn du dann endlich kommst,
werde ich sitzen bleiben
mit verschränkten Armen über den Knien,
damit du nicht zu früh erfährst,
mit welcher Sehnsucht ich dich erwartet habe.

Donnerstag, 13. September 2007

Gradwanderung


Gestern hatte ich einen Autounfall, keine Angst nur Blech, mir geht es soweit gut. Ausser das ich total durch den Wind bin und da ich gestern dann einfach kein Auto fahren wollte, blieb ich zu Hause.
Ein Unglück von vielen, in letzer Zeit häufen sich die Vorfälle in meinem Leben, ich bin vom Pech verfolgt. 2007 ist kein gutes Jahr!!!
Aber das mir das passiert ist, ist ein weiterer Puzzelstein im Mosaik des Lebens, ich habe mir einfach zuviel zugemutet ... über ein Jahr schon habe ich die Trauer um Simom einfach beiseite geschoben "jetzt nicht ... später" ... ich denke dies Rächt sich nun. Ich fühle mich total ausgebrannt, innerlich so unendlich leer ... deshalb bin ich wahrscheinlich so fahrig ,unkonzentriert, höre nicht wirklich zu, nehme nicht wirklich am Leben teil, und deshalb passiert mir ständig etwas Blödes. Ich bin ausgepowert von der Gradwanderung die ich nun schon seit 688 Tage gehe, nein renne ... ich renne.

Denke ich brauche dringend eine Auszeit. Leider habe ich schon letztes Jahr eine Kur gemacht, so daß diese Möglichkeit flach fällt. Und diese bescheuerte Kur wars nicht mal wert .... man hat mich allen Ernstes in ein Haus geschickt wo lauter Mütter mit kleinen Problemchen waren. Ich will nicht sagen das es diese Frauen nicht schwer belastet hat ... eine kam mit der Schwiegermutter nicht zurecht, die andere hatte Probleme damit das ihr Mann die ganze Woche wegen der Arbeit nicht zu Hause war und dann am Wochenende mit der Wäsche kam ...*tz*, eben lauter solche Sachen ... wo ich immer wieder gesagt habe "man wären meine Probleme mal so klein" ...
Der gute Dr. P. versucht auch schon mir die ganze Zeit zu sagen wenn man sich zu 110% auslastet das ist nicht gut ... nun bekomme ich wohl die Rechnung gezeigt und muß mir überlegen welchen Weg ich nun weiter gehe ... es sind die ungeweinten Tränen die krank machen.

Erinnerungen

ich renne
laufe einfach nur grade aus
doch so schnell ich auch bin
so weit ich auch laufe
so gut ich mich auch verstecke
meine gedanken holen mich wieder ein
meine quälenden erinnerungen finden mich
immer und überall
innerhalb von sekunden
seh ich alles wieder vor mir
bin sinnlos gelaufen
doch fange aus verzweiflung sofort wieder an
zu rennen

verirre mich im dunkel
bin wieder alleine
sehe wieder alles ganz genau vor mir
als wäre es erst gestern passiert
kann es nicht vergessen
nicht verdrängen
was geschah wird mich wohl noch lange verfolgen
könnte ich doch nur ruhe haben
nur kurz
einen tag vielleicht frei von diesen erinnerungen

doch so sehr ich auch hoffe und bete
niemand schenkt mir diese zeit und ruhe
und als ich dein gesicht wieder vor mir sehe
stürtze ich in ein tiefes loch
ich falle in tiefe dunkel
immer dem boden entgegen
ich kann nicht mehr anhalten
sehe den tod direkt vor augen

wache kurz vor dem aufprall doch wieder auf
bin verschwitzt und verwirrt
habe wieder eine nacht überstanden
ihr werden wohl noch unzählige folgen
mit diesem gedanken beginne ich
seit wochen, monaten jeden neuen tag
langsam neigt sich meine kraft dem ende
doch was soll ich nur tun?
denn meine erinnerungen verbannen kann ich nicht

Montag, 10. September 2007

Traum ohne Ende

Ich schließe meine Augen
und sehe dein Gesicht,
höre dein Lachen,
sehe dich verrückte Sachen machen,
fühle deine Wärme und umarme dich,
deine Stimme so nah und vertraut.

Scherben hast du hinterlassen,
ganz plötzlich warst du weg.
Ich öffne die Augen
und sehe dich nicht mehr,
Dunkelheit ...
wünsche mir, all das wäre nicht wahr.

Jetzt ist die Tür zu, kein Weg zurück ...
kein Weg zu dir.
In mir nur Leere - ich fühle den Schmerz,
zurück bleibt nur die Liebe in meinem Herz.

Schau mich an.
Wer bin ich?
Was bin ich?
Mich selber sehe ich nicht mehr.
Ich bin ein "etwas" geworden!
Wie etwas das man aus Scherben zusammensetzt.
Kantig, brüchig ... nicht ganz dicht.

Was siehst Du wen du in den Spiegel guckst?
Einen Menschen. Ein Gesicht. Ein Individium.
Ich schau gar nicht mehr in den Spiegel.
Doch wenn ich doch mal schnell hinein blinzel,
sehe ich etwas ...
Jemanden mit zerbrochener Seele.
Jemanden der nur noch innerlich weint.

Jemanden der sein Herz verschlossen hat.
Jemanden der verlassen wurde.
Der sich verlassen hat.

Ein zweites Leben?
Ich wünschte, es würde eins für dich geben!

(c) 2007 Claudia Staemmler

Donnerstag, 30. August 2007

Der Kokon der Trauer

  • er schützt mich
  • und hält mich gefangen
  • er gibt mir Wärme
  • und lässt mich erfrieren
  • durch ihn bin ich hellhörig
  • und in ihm werde ich taub
  • ich sehe durch ihn alles
  • und bin doch blind
  • er macht mich feinfühlig
  • und er macht mich hart
  • in ihm werde ich stumm
  • und schreie vor Schmerz
  • meine Augen sind tränenlos
  • aber meine Seele weint
  • mein Herz ist in ihm so schwer
  • und meine Gedanken sind voller Angst
  • meine Hände macht er gefühllos
  • und lähmt meine Füße
  • er macht mich atemlos
  • und meinen Geist schwach

  • werde ich ihn jemals verlassen ...den KOKON der Trauer...?

Donnerstag, 23. August 2007

Mami

Ich ging zum Konfirmandenunterricht, Mami, und dachte an Deine Worte. Du hattest mich morgens gebeten, auf mich aufzupassen, und so wollte ich es tun. Ich fühlte mich ganz stolz, Mami, genauso, wollte unabhängig und dir keine Last sein. Ich habe doch aufgepasst, Mami. Auch wenn die anderen was anderes sagen, sagen ich hätte es nicht getan ich weiss, dass ich es richtig gemacht habe, Mami.

Der Unterricht war zu Ende, und alle gingen nach Hause. Als ich in den Bus stieg, Mami, wusste ich, dass ich heil nach Hause kommen würde: Auf Grund Deiner Erziehung, immer verantwortungsvoll und richtig. Ich saß vorne beim Busfahrer, Mami und schaute gemeinsam mit ihm auf die Strasse. Aber der andere Fahrer sah mich nicht und sein Wagen traf mich mit voller Wucht. Als ich auf der Strasse lag, Mami, hörte ich den Polizisten sagen, der Mann sei zu schnell gefahren.

Und nun bin ich der jenige, der dafür büßen muss. Ich liege hier im Sterben Mami. Ach bitte, komm doch schnell. Wie konnte das passieren? Mein Leben zerplatzt wie ein Luftballon.

Ringsherum ist alles voller Blut, Mami, das meiste von mir. Ich höre den Arzt sagen, Mami, dass es keine Hilfe mehr für mich gibt. Ich wollte Dir nur sagen, Mami, ich schwöre es, ich habe wirklich aufgepasst. Es war der andere, Mami, der hat einfach nicht nachgedacht. Er war wahrscheinlich im Gespräch mit seinem Sohn versunken, Mami. Der einzige Unterschied ist nur: Er ist zu schnell gefahren und ich werde sterben. Warum müssen die Menschen immer rasen, Mami? Haben sie keine Zeit ? Es kann das ganze Leben ruinieren.

Ich habe jetzt starke Schmerzen, wie Messerstiche so scharf. Der Mann, der mich angefahren hat, Mami, läuft herum und ich liege im Sterben. Sag meinem Bruder und meiner Schwester, dass sie nicht weinen sollen, Mami. Und du sollst auch tapfer sein. Und wenn ich dann im Himmel bin, Mami, schreibt "Mami's Sonnenschein" auf meinen Grabstein.

Jemand hätte es ihm sagen sollen, Mami, nicht so schnell zu fahren an dieser Stelle! Wenn man ihm das gesagt hätte, Mami, würde ich noch leben.

Mein Atem wird kürzer, Mami, - ich habe große Angst. Bitte weine nicht um mich, Mami. Du warst immer da, wenn ich Dich brauchte. Ich habe nur noch eine letzte Frage, Mami, bevor ich von hier fortgehe: Ich habe doch alles richtig gemacht und aufgepasst, warum bin ich der jenige, der sterben muss?

(c) 2007 Claudia Staemmler für meinen Simon, den ich unendlich vermisse seit 667 Tagen

Donnerstag, 16. August 2007

Der graue Regenvorhang dieser Welt

Jeder kennt das bestimmt: Man sitzt im Kino und folgt gespannt den Bildern auf der Leinwand.
Die Bilder berühren unseren Geist und Wörter hinterlassen eine Gänsehaut
oder ein Gefühl der Freude in unserem Herzen.

Und dann gibt es noch Zitate, die einem nicht wieder aus dem Kopf gehen.
Aber manchmal sind sie schwer zu greifen und wie ein Blatt im Wind.
Sie wehen vorüber, ohne das man sie festhalten kann.

Eins davon ist folgendes aus Herr der Ringe, die Rückkehr des Königs,

Dialog zwischen Gandalf und Pippin in Minas-Tirith ...

"Ich hätte nicht gedacht, dass es so enden wird."
"Enden? Nein, hier endet die Reise nicht. Der Tod ist nur ein weiterer Weg den wir alle gehen müssen. Der graue Regenvorhang dieser Welt zieht sich zurück und alles verwandelt sich in silbernes Glas. Und dann siehst du es."
"Was, Gandalf? Was sehe ich?"
"Weiße Strände, und dann ... ein fernes grünes Land unter einer rasch aufgehenden Sonne."
"Dann ist es nicht schlimm?"
"Nein, nein ist es nicht."

Sonntag, 12. August 2007

Besser ? ... Anders !!!

Simon ist nicht mehr da. Morgens muss ich ihn nicht mehr wecken, abends kommt er mir nicht mehr entgegen gelaufen. Wenn ich allein zu Hause bin, ist sein Abwesenheit in der Leere der Wohung mit den Händen zu greifen. Zugleich war mir Simon noch nie so nah. Ich höre seine Stimme und sein Lachen, ich sehe ihn vor mir. Ich spüre ihn neben mir, ganz leiblich, sehr konkret. Ich habe immer wieder das Gefühl, dass ich ihn berühren, ihn umarmen kann. Manchmal verschmelze ich förmlich mit ihm. Ich reden mit ihm und er mit mir.

Wie ist das möglich, wie kann das sein? Er ist doch weg, unendlich weit weg?
Nun sind fast zwei Jahre vergangen, seit Simon nicht mehr bei uns ist. Es gibt Tage, da habe ich das Gefühl das es mir besser geht. Aber was heißt da schon "besser"? Habe ich mich an seine Abwesenheit gewöhnt? Kann ich damit leben? An solchen "besseren" Tagen kann ich mich bei der Arbeit vergessen, kann auch wieder die kleinen Dinge des Lebens genießen und erlebe durchaus einen Fortschritt im meinem Trauerprozess.
Aber dann gibt es Momente und Tage, da ist überhaupt nichts besser. Da steigt meine tiefste Trauer auf, da falle ich wie zu Beginn in tiefste Löcher. Dann habe ich den Eindruck, es wird gar nichts besser, weil der Verlust meines Kindes durch nichts, aber auch gar nichts zu ersetzen ist.

Mit zunehmerder Zeit gewinnt der Alltag wieder überhand. Ich fahre im Sonnenschein mit dem Auto nach Hause. Im Radio läuft schöne Musik, die mich mitreißt Selbstvergessen singe ich mit. Nur eine Sekunde später erschrecke ich zutiefst. Was mache ich denn da? Das will ich doch gar nicht. Wenn ich fröhlich oder ausgelassen bin, verrat ich dann nicht Simon? Er der nicht mehr ausgelassen und fröhlich sein kann, was er doch so unendlich gerne war? Heißt das, dass ich nicht mehr um Trauere, dass er mir schon gar nicht mehr so fehlt? Ich habe den Eindruck, dass ich ihn in solchen Augenblicke verrate und ihn allein in seinem Tod lasse.Das sind Momente und Zeiten, da will ich nicht, das es mir besser geht, da will ich an der Trauer festhalten.

In ihr erlebe ich meinen Sohn besonders nah ... wenn auch schmerzhaft.